Reisemängel

Entspricht die Reise nicht dem vertraglich Vereinbarten, d.h. die IST-Beschaffenheit weicht negativ von der SOLL-Vorgabe der Reise ab, so liegt ein Reisemangel vor:

Art des Reisemangels

  • Mangelhaftigkeit Gesamtleistungsbündel
    • Mangelhafte Organisation
    • Reiseprogrammänderung
  • Mangelhaftigkeit einzelner Reiseleistungen
    • Unsachgemässe Beförderung (Transport)
    • Mangelhafte Unterkunft (Sauberkeit, Lärm, Service etc.)
    • Verpflegung (ausfallende Mahlzeiten, Ungeniessbarkeit o.ä.)
    • Verschmutztes Wasser
    • Leistungsmodifikationen
  • Fehlen einer vertraglich zugesicherten Eigenschaft
  • Fehlen einer vorausgesetzten Eigenschaft
    • Das Fehlen der vorausgesetzten Eigenschaft ist nur relevant bei
      • Beeinträchtigung der Tauglichkeit der Reise oder
      • Beeinträchtigung des Wertes der Reise
  • Weitere Detailinformationen

Rügeobliegenheit

  • Mängelrüge (während der Reise)
    • Der Konsument hat dem Veranstalter oder seinem örtlichen Vertreter den Reisemangel an Ort und Stelle – vor Reiseende – zu beanstanden und dem Veranstalter zu ermöglichen, selbst mit seinem Personal, mit seinem Leistungsträger oder einem beauftragten Dritten Abhilfe zu schaffen (PRG 12 Abs. 2) oder Ersatzmassnahmen zu treffen (PRG 13)
  • Form der Mängelrüge
    • Formfreiheit
    • Schriftform zu Beweiszwecken empfehlenswert
  • Zeitpunkt der Mängelrüge
    • sobald wie möglich (as soon as possible (asap); PRG 12 Abs. 1), damit der Veranstalter sofort nachbessern kann
  • Abhilfefrist
    • Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse
    • Es besteht keine Fristvorgabe
  • Weitere Detailinformationen

Gewährleistungsrechte / Konsumentenrechte

  • Fortsetzung der Reise
    • Option für den Konsumenten
      • Recht auf geeignete Massnahmen im Sinne von PRG 12 Abs. 2
      • Ersatzmassnahmen
      • Preisminderung
  • Beendigung der Reise
    • Option für den Konsumenten bei erheblichem Mangel (qualifizierter Mangel)
      • Beendigung der Reise durch Kündigung des Pauschalreisevertrages gemäss PRG 13
  • Haftung des Reiseveranstalters
    • Der Reiseveranstalter haftet für eigenes Fehlverhalten, Fehlverhalten seines Personals und Fehlverhalten seines Leistungsträgers und dessen Personal
    • Die Veranstalter-Haftung besteht unabhängig vom Verschulden, d.h. auch bei Ereignissen, die von keinem der Parteien beherrschen kann
      • Ausnahme: Konsument hat Reisemangel zu vertreten
    • Eine Veranstalterexkulpation ist nur in folgenden Fällen möglich: Unvorhersehbare oder unabwendbare Versäumnisse Dritter (PRG 15 Abs. 1 lit. b) und höhere Gewalt und nicht vorhersehbare Ereignisse (PRG 15 Abs. 1 lit. c)
  • Weitere Detailinformationen

Reisefortsetzung

  • Grundsätzliches
    • Die Reise sollte fortgesetzt werden können
    • Im Mängelfalle sollte der Veranstalter die erforderlichen (Ersatz-)Massnahmen zu ergreifen, damit die Pauschalreise fortgesetzt werden kann
    • Bei Veranstalteruntätigkeit ist der Konsument zur Selbstabhilfe berechtigt und kann anschliessend den finanziellen Ausgleich des verbleibenden Minderwerts der Reise fordern
  • Ersatzmassnahmen Veranstalter
    • Veranstalterpflicht
      • Der Veranstalter hat auch ohne ausdrückliches Konsumentenverlangen nach Kräften alles Erforderliche für die Reisedurchführung zu tun (vgl. PRG 13 Abs. 1 lit. a)
    • Mehrkosten der Ersatzmassnahmen
      • Der Veranstalter hat kein Preiserhöhungsrecht
    • Unterverhältnismässiger Aufwand der Ersatzmassnahmen
      • Ablehnungsrecht des Veranstalters wegen unverhältnismässigen Aufwands
      • Ablehnung der Ersatzmassnahme wegen unverhältnismässigen Aufwandes führt zu einer verhältnismässigen Reisepreis-Herabsetzung (vgl. PRG 13 Abs. 1 lit. b)
  • Selbstabhilfe Reisender
    • Elemente der Aufwendungsersatzanspruches
      • Selbstabhilfe-Kosten
      • Aufwendungen (zB Ersatzhotel)
      • Mehrkosten (wenn zB kein passgenaues Hotel frei ist)
      • Massgeblichkeit des Reisezuschnitts
    • Keine Exkulpationsmöglichkeit des Veranstalters
      • Der Veranstalter kann sich nicht auf unvorhersehbare oder unabwendbare Versäumnisse Dritter (PRG 15 Abs. 1 lit. b) oder auf Höhere Gewalt und nicht vorhersehbare Ereignisse (PRG 15 Abs. 1 lit. c) berufen
  • Preisermässigung
    • Preisminderungsgrundlage
      • Nicht der Preis der einzelnen Reiseleistung, sondern der Gesamtpreis der Reise ist die Berechnungsgrundlage, da sich jeder Reisemangel einer Einzelreiseleistung auf die Qualität der Gesamtreise auswirkt
    • Berechnungsmethode
      • Relative Berechnungsmethode (Reisepreisreduktion im Wert der mangelhaften Reiseteilleistung zum Wert der Gesamtreise bei mängelfreier Erbringung)
      • Keine schematische Anwendung dieser relativen Berechnungsmethode
        • Berücksichtigung aller Aspekte für die Ermittlung einer angemessenen Preisminderung wie Charakter der Reise und ihre spezielle Bedeutung, Art des Reisemangels, Dauer und Intensität des Reisemangels, Auswirkungen auf andere Reiseleistungen etc.
    • Quantität
      • Die Preisminderung kann im Extremfall 100 % und im Falle zum Beispiel der Nichtverfügbarkeit einer Tages-Attraktion während einer 14-tägigen Reise 1/14 betragen
    • Preisminderung mittels Tabelle
      • Auch wenn eine schematische Reisepreis-Reduzierung nach Prozentsätzen je nach Mängelart in der Schweiz (gesetzlich) nicht vorgesehen ist, wird doch hin und wieder einer Preisminderung die deutsche sog. „Frankfurter Tabelle“ ermittelt zu Grunde gelegt
        • Link zur „Frankfurter Tabelle“
        • Teilrückzahlungspflicht (wurde praxisgemäss vorausbezahlt, hat der Konsument im Preisminderungsfalle eine Teilrückzahlung zu erfolgen)
  • Weitere Detailinformationen

Reisekündigung

  • Generelles
    • Die Reisevertragskündigung kann formfrei erfolgen (Empfohlene Form: Schriftform)
    • Die Kündigung wirkt ex nunc (von nun an, ab jetzt) und damit nicht rückwirkend auf den Abschlusszeitpunkt, also nicht ex tunc, da PRG 13 Abs. 2 den Veranstalter zum Rücktransport des Reisenden verpflichtet
  • Kündigungs-Voraussetzungen
    • Kumulativ zu erfüllende Voraussetzungen (3)
      • Erheblicher Teil der vereinbarten Leistungen ist nicht erbracht oder wird nicht erbracht werden können
      • Verweigerte oder unmögliche Ersatzmassnahmen des Veranstalters
      • Kündigung erst nach unbenutzter Nachfrist
  • Ansprüche des Konsumenten
    • Nachvertragliche Rücktransportpflicht
    • Reisepreisrückerstattung
      • Reisepreisminderung
        • Entfallen des Veranstalteranspruchs auf einen Teil des Reisepreises und Teilrückerstattungspflicht
        • Keine Exkulpationsmöglichkeit des Reiseveranstalters nach PRG 15 Abs. 1 lit. b und c (Versäumnisse Dritter oder höhere Gewalt)
      • Ansprüche aus Ersatzmassnahmen
        • Konsument kann seine Selbstabhilfe-Kosten infolge nicht erfolgter oder ungenügender Ersatzmassnahmen des Veranstalters geltend machen
      • Ansprüche aus nicht oder schlecht erfolgtem Rücktransport
        • Konsument kann ggf. seine Ansprüche infolge Nicht- oder Schlechterfüllung der Rücktransportpflicht dem Veranstalter in Rechnung stellen
      • Schadenersatzanspruch
        • Hat der Reismangel seine Integritätssphäre berührt, kann der Konsument zusätzlich Ersatz des ihm dadurch entstandenen Schadens verlangen (vgl. PRG 13 Abs. 2 Satz i.V.m. PRG 14 – 16)
  • Weitere Detailinformationen

Verjährung

  • Keine Regelung zur Verjährung im PRG
    • Es gelten daher die Regeln des Allgemeinen Teils des Schweizerischen Obligationenrechts zur Verjährung (OR 127 ff.)
    • Die Verjährungsfrist beträgt daher 10 Jahre
  • Weitere Detailinformationen

Gesetzestexte

Weiterführende Literatur

  • Art des Reisemangels
    • STAUDER BERND, SPR, Bd. X, Konsumentenschutz im Privatrecht, 2. Teil, 4. Kapitel: Reiserecht, S. 334 ff.
    • ROBERTO VITO, BSK OR I, N 3 ff. zu PRG 12
    • FRANK RICHARD, Bundesgesetz über Pauschalreisen vom 18. Juni 1993, Kurzkommentar, Zürich 1994, N 13 zu PRG 12
    • HANGARTNER SANDRO, Das neue Bundesgesetz über Pauschalreisen, Diss. Zürich 1997, S. 104 – 106, S. 112 und S. 115
  • Rügeobliegenheit
    • STAUDER BERND, SPR, Bd. X, Konsumentenschutz im Privatrecht, 2. Teil, 4. Kapitel: Reiserecht, S. 345 ff.
    • ROBERTO VITO, BSK OR I, N 7 f. zu PRG 12
    • HANGARTNER SANDRO, Das neue Bundesgesetz über Pauschalreisen, Diss. Zürich 1997, S. 116 f.
  • Gewährleistungsrechte
    • STAUDER BERND, SPR, Bd. X, Konsumentenschutz im Privatrecht, 2. Teil, 4. Kapitel: Reiserecht, S. 347 ff.
    • ROBERTO VITO, BSK OR I, N 3 zu PRG 13
    • HANGARTNER SANDRO, Das neue Bundesgesetz über Pauschalreisen, Diss. Zürich 1997, S. 122 f.
  • Reisefortsetzung
    • Allgemein
      • STAUDER BERND, SPR, Bd. X, Konsumentenschutz im Privatrecht, 2. Teil, 4. Kapitel: Reiserecht, S. 348 f.
      • ROBERTO VITO, BSK OR I, N 2 zu PRG 12
      • ROBERTO VITO, BSK OR I, N 3 f. zu PRG 13
      • HANGARTNER SANDRO, Das neue Bundesgesetz über Pauschalreisen, Diss. Zürich 1997, S. 124 – 127
    • Ersatzmassnahmen Veranstalter
    • Selbstabhilfe Reisender
      • STAUDER BERND, SPR, Bd. X, Konsumentenschutz im Privatrecht, 2. Teil, 4. Kapitel: Reiserecht, S. 349 f.
      • ROBERTO VITO, BSK OR I, N 5 zu PRG 13
      • HANGARTNER SANDRO, Das neue Bundesgesetz über Pauschalreisen, Diss. Zürich 1997, S. 129 f.
    • Preisermässigung
      • STAUDER BERND, SPR, Bd. X, Konsumentenschutz im Privatrecht, 2. Teil, 4. Kapitel: Reiserecht, S. 347 ff.
      • ROBERTO VITO, BSK OR I, N 3 + N 6 zu PRG 13
      • HANGARTNER SANDRO, Das neue Bundesgesetz über Pauschalreisen, Diss. Zürich 1997, S. 122 f. + S. 133 f.
  • Reisekündigung
    • STAUDER BERND, SPR, Bd. X, Konsumentenschutz im Privatrecht, 2. Teil, 4. Kapitel: Reiserecht, S. 351 ff.
    • ROBERTO VITO, BSK OR I, N 9 ff. zu PRG 13
    • HANGARTNER SANDRO, Das neue Bundesgesetz über Pauschalreisen, Diss. Zürich 1997, S. 124, S. 137 – 142
  • Verjährung
    • STAUDER BERND, SPR, Bd. X, Konsumentenschutz im Privatrecht, 2. Teil, 4. Kapitel: Reiserecht, S. 354
    • ROBERTO VITO, BSK OR I, N 15 zu PRG 13
    • HANGARTNER SANDRO, Das neue Bundesgesetz über Pauschalreisen, Diss. Zürich 1997, S. 184

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